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Der Große RefraktorDie Optik stammt, wie bei allen Instrumenten der Kuffner-Sternwarte, von Steinheil, München, die Mechanik von Repsold & Söhne, Hamburg.
Technische Daten:
Astronomische InformationenDer Große Refraktor ist ein klassischer Refraktor nach Prinzip des Keplerschen Fernrohrs mit einem halbapochromatischen, zweilinsigen Objektiv (Vorläufer des Zeiss-AS-Objektivs).Das Fernrohr hat eine deutsche Montierung, die eine Bewegung um zwei Achsen, also über den ganzen Himmel, ermöglicht. Die Nachführung, also das Ausgleichen der Erddrehung, besorgte ursprünglich ein mechanischer Uhrwerkantrieb, seit 1998 wird diese elektronisch gesteuert.
Historische BedeutungDer Große Refraktor wurde 1884 in Auftrag gegeben und 1886 geliefert. 1887 fanden erste Beobachtungen statt. 1890 wurde der Astrograph, ein fotografisches Fernrohr, montiert.Das Aufgabengebiet von 1887-1916 war: Erste astrophysikalische Beobachtungen, vor allem Photographie am Astrographen (Karl Schwarzschild!).
Heute ist der Große Refraktor das Hauptinstrument für Führungen
und Beobachtungen.
Der Meridiankreis
Technische Daten:
Der Meridiankreis der Kuffner-Sternwarte war der größte der gesamten
Donaumonarchie; demzufolge ist er heute der größte Meridiankreis
Österreichs und einer der größten in Europa. Dieses Instrument
hat wohl am meisten zum Ruhm der Kuffner-Sternwarte in den Jahren 1887 bis 1916
beigetragen.
Die Ausstattung dieses Instruments ist bemerkenswert:
Astronomische HintergrundinformationDas Prinzip der MerdianbeobachtungGemessen werden bei einer Meridianbeobachtung zwei Größen:
Die Durchführung einer MessungDie Messung der Durchgangshöhe erfolgt direkt an der Höhenskala (daher der Name "Meridiankreis") an jeweils 4 Ablesemikroskopen und Mittelung. Genauigkeit: Max. 0,1". Da die geogr. Breite infolge der Polschwankungen um bis zu 1" variieren kann, wurde diese durch Messungen am Vertikalkreis immer wieder überprüft.
Die Messung des Durchgangszeitpunkts erfolgt mittels eines
unpersönlichen Mikrometers; der Beobachter führt eine Markierung
der Bewegung des Sterns nach (Dauer eines Durchgangs durch das Gesichtsfeld:
ca. 2 Minuten). Diese Markierung löst vor und nach dem genauen
Meridiandurchgang ca. 20 elektrische Impulse aus, die auf einen Kanal am
Chronographen übertragen werden. Auf dem 2. Kanal werden die
Sekundenschläge der Präzisionspendeluhr aufgezeichnet. Für eine gute Meridianbeobachtung wurden neben dem Beobachter noch 2-3 Assistenten (Sternauswahl, Voreinstellung, Chronograph) und ca. 1 Stunde Vorbereitungszeit benötigt. Eine exakte Sternposition ergibt sich aus gewichteter Mittelung von 10 bis 50 Einzelbeobachtungen!
Historische BedeutungDer Meridiankreis der Kuffner-Sternwarte wurde primär für Positionsmessungen von Gestirnen verwendet (Zonenprogramm der AG, 1890-1904, Zone -6° bis -10°, 8.468 Sterne), es wurden jedoch auch Zeitmessungen (an bekannten Sternen) durchgeführt. Die geogr. Position des Instruments ist konstant und bekannt.Der Vertikalkreis![]() Technische Daten:
Geschichtliche DatenDer Vertikalkreis der Kuffner-Sternwarte diente als Zusatzinstrument zum Meridiankreis, um die Polschwankungen der Erde zu messen. Es handelt sich um ein sehr seltenes Instrument, von dem nur mehr sehr wenige erhalten sind. Wie bei allen Instrumenten der Kuffner-Sternwarte stammt die Optik von Steinheil in München und die Mechanik von Repsold & Söhne in Hamburg.Der Vertikalkreis wurde 1893 geliefert; im Rahmen des Zonenprogramms der Astronomischen Gesellschaft wurden an diesem Instrument begleitende Messungen durchgeführt. Der Vertikal der Kuffner-Sternwarte wurde primär zur Ergänzung für Positionsmessungen von Gestirnen verwendet (Zonenprogramm der AG, 1890-1904, Zone -6° bis -10°, 8.468 Sterne), um die Unsicherheit in der Deklination infolge der Polschwankungen zu messen.
Astronomische HintergrundinformationPrinzip einer VertikalbeobachtungDie Messung erfolgt ähnlich wie beim Meridiankreis, die Auswertung der Ergebnisse erfordert aber einen hohen Rechenaufwand.Da sich Unsicherheiten in der geogr. Breite nicht auf den Zeitpunkt des Meridiandurchgangs, sehr wohl aber auf den Zeitpunkt des Vertikaldurchgangs auswirken, sind Messungen des Durchgangszeitpunktes von Gestirnen mit bekannter Position unter Kenntnis der exakten Uhrzeit ein gutes Mittel, die geogr. Breite des Beobachtungsortes zu bestimmen. Genauigkeit: Ca. 0,01" (entspr. 30cm auf der Erde).
Für eine gute Vertikalbeobachtung wurden neben dem Beobachter noch 2-3
Assistenten (Sternauswahl, Voreinstellung, Chronograph) und ca. 1 Stunde
Vorbereitungszeit benötigt. Vertikalkreise sind sehr selten, nur wenige
Sternwarten sind heute noch im Besitz eines derartigen Instruments!
Das Heliometer
Ursprüngliche technische Daten
Historische BedeutungDas Heliometer der Kuffner-Sternwarte war ursprünglich ein Meßinstrument, mit dem sehr kleine Winkel gemessen werden konnten. Von dieser sehr seltenen Gerätegattung ist es das größte der Welt!
Haupteinsatzgebiet war die Messung von Fixsternparallaxen, also die
Ermittlung von Entfernungen von Fixsternen.
Zwischen 1899 und 1908 wurden 16 Fixsternparallaxen gemessen, das war
etwa ein Achtel aller weltweit gemessenen Parallaxen.
Astronomische HintergrundinformationWie funktioniert eine Parallaxenmessung ?Gemessen werden bei einer Parallaxenmessung:
Die Messung der Winkelabstände erfolgt mit Hilfe eines in zwei
Hälften zerschnittenen Objektivs, das ein Doppelbild erzeugt. Bringt man,
durch Verschieben der beiden Objektivhälften gegeneinander, Original des
Meßsterns und Doppelbild des Referenzsterns zur Deckung, so kann man auf
einem Mikrometer den Winkelabstand in Bogensekunden ablesen. Voraussetzung ist,
daß die Schnittlinie des Objektivs durch Drehen des gesamten Objektivkopfes
exakt in die Verbindungslinie Stern-Meßstern gebracht wird. ![]() Heliometer-Objektiv Foto: Martin Sloboda Die Sternwarte im Herbst 2000 Fotos von Ralf Greiner Fotos von Martin Sloboda Weitere Instrumente der Kuffner-SternwarteUnter den Zusatzinstrumenten, die nur teilweise öffentlich zugänglich sind, seien erwähnenswert:
In neuerer Zeit wurden auf der Kuffner-Sternwarte eine Reihe moderner Zusatzgeräte angeschafft, teilweise durch Kauf, teilweise als Dauerleihgaben. Dazu zählen ein modernes Amateurfernrohr Celestron 8, eine elektronische Sternzeituhr, diverse Computer, moderne Okulare, Filter und Kameraadapter für die beiden großen Fernrohre, CCD-Kameras sowie audiovisuelle Einrichtungen. |
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