DEEP IMPACT

        Deep Impact, eine Erkundungsmission der NASA, ist die erste Weltraummission, die die Oberfläche eines Kometenkerns erforschen und sogar die Geheimnisse seines Innern lüften möchte.

        8. Juli: Gibt es eine Verlängerung der Mission Deep Impact?

        Verein Kuffner-Sternwarte
        Sonderveranstaltung am 4. Juli 2005.
        Ort: Kuffner-Sternwarte
        Johann-Staud-Straße 10, 1160 Wien


        Vorläufiges Programm:
        Achtung geänderte Zeiten nach Verschiebung der NASA Pressekonferenz!

        • Beginn: 20h00
        • 20h00: NASA Pressekonferenz Live
        • 21h00 - 21h30: Diskussion und Fragen
        • 21h30 - 22h00: Pause
        • 22h00: Vortrag von Bernhard Wenzel
          Anschließend Möglichkeit zur Beobachtung
          Besichtigung der Sternwarte
          aktuelle Impakt-Videos (NASA)
        • 23h00: Geplant: Live Interview mit Heike Rauer (DLR) aus Chile
        • 24h00: Erste offizielle ESO Bilder

        Komet Tempel 1
        Bild: NASA/JPL-Caltech/UMD

        Letzte Nachrichten 4. Juli 2005, 8h:
        Komet getroffen, Einschlag beobachtet!



        Bild: NASA/JPL-Caltech/UMD



        Der Komet Tempel 1 sechs Minuten vor dem Einschlag
        Bildquelle: NASA/JPL-Caltech/UMD



        Hubble Space Telescope: Tempel 1 vor und nach dem Einschlag
        Bild: NASA, ESA, P. Feldman (Johns Hopkins University), and H. Weaver (Johns Hopkins University Applied Physics Lab)

        Hubble Space Telescope: Impakt-Video

        Echtzeitnahe Bilder! (NASA)
        Bilder und Videos (NASA)
        Animation und Bilder vom Impakt (Faulkes Telescope)
        Subaru Telescope (NAOJ)



        Der Komet 4 Tage vor und 15 Stunden nach dem Einschlag. Aufgenommen mit dem 1 Meter OGS (Optical Ground Station) Teleskop der ESA auf Teneriffa.
        Bildquelle: ESA

        Erstes europäisches Bild vom Einschlag (ESA)
        Bilder von Rosetta (ESA)
        ESO-Bilder

        Weitere Links



        Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt sollen tiefere Schichten eines Kometenkerns untersucht werden.
        Zu diesem Zweck wird am 4. Juli die Raumsonde Deep Impact einen 372 kg schweren Impaktor auf den nach neuesten Messungen etwa 14 x 4 Kilometer großen Kometen 9P/Tempel 1 abfeuern mit dem Ziel, einen Krater zu erzeugen um anschließend das Auswurfmaterial untersuchen zu können. Die Muttersonde verfolgt diesen Einschlag aus sicherer Distanz und wird anschließend das Auswurfmaterial analysieren. Die Forscher erhoffen sich Aufschlüsse darüber, in welchen Zustand das Sonnensystem bei seiner Entstehung war.
        Der Einschlag ist übrigens nicht stark genug, um eine nennenswerte Änderung der Umlaufbahn des Kometen um die Sonne zu bewirken. Die Geschwindigkeit des Kometen wird sich durch den Einschlag um 0,0001 mm/Sekunde verändern. Dadurch wird Tempel 1 der Sonne um etwa 10 m näher kommen. Die Umlaufzeit des Kometen (derzeit 5,5 Jahre) wird sich letztlich um weniger als eine Sekunde verkürzen. (The Orbital History of Comet 9P/Tempel 1, JPL/NASA) Das bedeutet, dass durch den Impakt keine Gefahr für die Erde besteht, da die Bahnänderung durch den Einschlag viel zu gering ist. Der Riesenplanet Jupiter, wird im Vergleich dazu im Jahr 2024 den sonnennächsten Bahnpunkt des Kometen um 34 Mio km verschieben.


        Entdeckt wurde der Komet Tempel 1 am 3. April 1867 von dem deutschen Astronomen Wilhelm Tempel (1821-1889). Tempel 1 ist 14,4 km lang und 4,4 km breit und dick, was einem Radius von 3,4 und einem Durchmesser von 6,8 km entspricht. Seine Rotationsperiode beträgt nach derzeitigem Wissen 42 Stunden. Tempel 1 ist ein sehr dunkles Objekt mit einer Albedo von rund 4 %. Seine Dichte ist etwa 100 bis 900 kg/m³ (zwischen 1/10 und 9/10 von Wasser).

        Durch den Impakt könnte der Komet für kurze Zeit möglicherweise ein wenig heller werden. Da der Einschlag des Impaktors für den 4. Juli 2005 um 05:52 UT (07:52 Uhr ± 3 min MESZ) geplant ist, können wir das spektakuläre Ereignis in Europa aber leider nicht direkt am Teleskop, sondern "nur" via Webcast (NASA-TV) live mitverfolgen.
        Europa spielt dennoch eine Rolle. Denn sowohl die ESO als auch die ESA sind daran beteiligt.

        Die ESO observiert Komet 9P/Tempel 1
        ESA-Kometenjäger Rosetta gibt Schützenhilfe

        Wo befindet sich Tempel 1?
        Live Webcasts



        Gibt es eine Verlängerung der Mission Deep Impact?


        Tempel 1

        Der Impactor Targeting Sensor hat 20 Sekunden vor dem Aufschlag dieses tolle Foto des Kometenkerns gemacht. Die hellen Flecken auf diesem Bild sind vermutlich sehr flaches, reflektierendes Gelände, während höher gelegenes Terrain eher uneben zu sein scheint. Die Schattenwürfe liefern Informationen über die Topographie der Kometen-Oberfläche und mit Hilfe des Spektrometers kann die chemische Zusammensetzung bestimmt werden. Die gewonnenen Daten müssen allerdings noch ausgewertet werden.
        Bild: NASA/JPL-Caltech/UMD

        Nach dem großen Erfolg der Raumsonde Deep Impact wird jetzt eine Verlängerung der Mission ins Auge gefasst. Allerdings sind die finanziellen Mittel für eine Verlängerung noch nicht gesichert.
        Geplant und gewünscht von den beteiligten Wissenschaftern wäre ein fly by in 3½ Jahren am Kometen 85P/Boethin. Allerdings muss auch geprüft werden, ob die Instrumente an Bord der Raumsonde noch einwandfrei arbeiten und nicht durch Einschläge von Staubteilchen beschädigt worden sind. Die Entscheidung, ob die Mission verlängert wird oder nicht, müsste innerhalb der nächsten drei Wochen fallen, da eine Kurskorrektur bis Ende Juli stattfinden müsste.

        Es wäre auf jeden Fall billiger die Mission Deep Impact zu verlängern, als eine weitere Mission mit gleichem Auftrag, aber einem anderem Zielkometen, auf die Reise zu schicken. Obwohl das Ergebnis durchaus ein anderes sein könnte, da auch Kometen von unterschiedlicher Zusammensetzung sein können. Dies haben Aufnahmen von den Kometen Borrelly, Wild 2 und Tempel 1 deutlich gezeigt.
        Aber in Zeiten großer Sparmaßnahmen könnte es schon sein, dass auf Grund finanzieller Überlegungen eine Kometenmission gestrichen wird und zum Ausgleich Deep Impact in die Verlängerung geht. Die Missionsverlängerung von Deep Impact würde einige zehntausend Dollar kosten; eine weitere Kometenmission rund 300 Mio. Dollar.

        Infos zu Komet 85P/Boethin:

        Halbachse (a): 5,018 AE           Perihel (q): 1,114 AE Aphel (Q): 8,922 AE

        Exzentrizität (e): 0,778  Bahnneigung   (i): 5,8°            Umlaufzeit: 11,2 Jahre

        Entdeckt wurde 85P/Boethin von Hochwürden Leo Boethin bei einer Routine-Durchmusterung des Himmels auf der Jagd nach Kometen. Zur Zeit seiner Entdeckung war der Komet 12 mag. hell. Seine maximale Helligkeit liegt bei 10 mag.

        8. Juli 2005/SP


        Impaktor vom Mutterschiff getrennt!



        Deep Impact: Einschlagmasse vom Mutterschiff aus abgebildet (Bildquelle: NASA/JPL-Caltech)


        Deep Impact sieht Tempel 1-Jet




        Einen kleinen Film von dem Ereignis finden Sie hier (NASA)
        Der Film wurde aus Bildern zusammengesetzt die zwischen 22. und 24. Juni mit der Medium Resolution Camera aufgenommen wurden, die sich an Bord von Deep Impact befindet.
        (Bilder: NASA/JPL-Caltech/UMD)
        Das ist übrigens schon der zweite Jet in den letzten zwei Wochen. Bereits am 14. Juni wurde ein schwächerer Ausbruch von Deep Impact und dem Hubble Space Telescope beobachtet.

        28. Juni 2005

        Das Hubble beobachtet gewaltigen Ausbruch auf Tempel 1

        Am 14. Juni beobachtete das Hubble Space Telescope, wie Komet Tempel 1 eine gewaltige Fontaine aus Gas und Staub in den Weltraum schleuderte. Die beiden Aufnahmen des Kometenkerns wurden im Abstand von 7 Stunden gemacht.

        Das linke Bild wurde vor dem Ausbruch des Jets aufgenommen. Der helle Punkt im Zentrum ist der Kometenkern, der selbst mit den scharfen Augen des Weltraumteleskops nicht aufgelöst werden konnte. Der Komet war zur Zeit der Aufnahme rund 120 Millionen Kilometer entfernt vom Weltraumteleskop entfernt. Das rechte Bild, sieben Stunden später, zeigt den Ausbruch des Jets. Gas und Staub schossen 2200 Kilometer weit in den Weltraum hinaus.

        Tempel 1 nähert sich seinem sonnennächsten Punkt und Astronomen vermuten, dass durch die zunehmende Erwärmung ein Riss in der Kometenkruste entstand. aus der die verdampfenden Gase explosionsartig entwichen sind und Staubpartikel mitgerissen haben.
        Am 4. Juli wird der 372 kg schwere Impaktor auf den Kometen auftreffen und hoffentlich durch den Aufschlag eine Menge ursprüngliches Material freilegen. Dies könnte zur Aufklärung beitragen, in welchem Zustand unser Sonnensystem bei seiner Entstehung war. Denn Kometen sind fast so alt wie unser Sonnensystem; sie bestehen aus 4,5 Milliarden Jahre altem Eis, Gas und Staub.

        27. Juni 2005/SP

        Deep Impact sieht ins Herz von Tempel 1



        Falschfarbenbild des Kometen Tempel 1, dem eine Aufnahme vom 30. Mai 2005 zugrunde liegt.
        Rechts oben: Errechnetes Modell von der Koma des Kometen.
        Links unten: Die Differenz zwischen den beiden oberen Bildern macht den Kern sichtbar.
        Rechts unten: Eine Pfad durch das Zentrum des Kometen zeigt die Helligkeit des Kerns.
        Norden ist oben und Osten links.
        Die Sonne befindet sich in Richtung linker oberer Ecke.
        Das Foto umfasst ein Gebiet von rund 160 000 Kilometer.

        Die Medium Resolution Camera an Bord von Deep Impact hat Ende Mai aus einer Distanz von rund 32 Millionen Kilometer Aufnahmen vom Kometen Tempel 1 gemacht. Auf den unbearbeiteten Aufnahmen dominiert die Koma, eine große Wolke aus Gas und Staub. Forscher konnten nun mit Hilfe moderner Bildbearbeitung den Kometenkern von der Koma isolieren. Die Menge des Materials in der viel größeren, aber bedeutend weniger dichten Koma wurde auf mathematischem Weg ermittelt und vom Kometenkern, dem hellen Punkt im Zentrum, subtrahiert.

        Es war von den Forschern nicht nur allein Wissensbegierde den Kometenkern schon vor der größten Annäherung zu sehen, sondern für das gelingen der Mission von essentieller Bedeutung, weil durch die Sicht auf den Kern die Rotationsperiode und Rotationsachse dieses langgestreckten Objektes besser ermittelt werden kann. Dies ist wiederum für die Auswahl des Einschlagsortes von großer Bedeutung da geplant ist, den Impaktor auf die von der Sonne beleuchtete Seite des Kometen einschlagen zu lassen.

        Aufnahmen des Impakt-Ereignisses werden mit dem High Resolution Instrument, dem Medium Resolution Instrument und dem Infrarotspektrometer an Bord der Raumsonde gemacht. Auch der Impaktor hat eine Kamera an Bord; allerdings ohne Filterrad, so dass mit dieser Kamera keine Farbaufnahmen, sondern monochromatische Aufnahmen gemacht werden können.

        Ferner werden die beiden Weltraumteleskope Hubble und Spitzer und der amerikanische Röntgensatellit Chandra das Ereignis beobachten. Und auf der Erde werden viele große und kleine Teleskope das Ereignis verfolgen.

        23. Juni 2006/SP

        Die ESO observiert Komet 9P/Tempel 1

        Die Teleskope der europäischen Südsternwarte beobachten derzeit intensiv den Kometen Tempel 1, da er das Ziel einer besonderen Mission ist. Eines der letzten Fotos wurde in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai mit dem EMMI-Instrument am New Technology Telescope (NTT) aufgenommen und von der ESO am 25. Mai veröffentlicht. Es zeigt den Kometen aus einer Entfernung von 100 Millionen Kilometern. Die Koma des Kometen hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme eine Ausdehnung von mehr 30 000 Kilometern. Im Zentrum der Koma ist der etwa 14 Kilometer große Kern als heller Fleck ersichtlich.

        Die ESO wird sich aktiv an den "Post-Impakt" Beobachtungen beteiligen, sobald Komet Tempel 1 von Chile aus gesehen werden kann; und zwar eine ganze Woche lang. Alle großen ESO-Teleskope werden auf den Kometen gerichtet sein: die vier Teleskope des Very Large Telescope (VLT) am Paranal, das 3,6m, das 3,5 m NTT und das 2,2m ESO/MPG Teleskop bei La Silla.
        Außerdem werden die Beobachter der ESO in ständigem Kontakt mit dem wissenschaftlichen Team von Deep Impact stehen.

        Die ersten Fotos, welche die ESO-Teleskope nach dem Impakt aufnehmen, werden vermutlich in der Nacht vom 4. auf den 5. Juli, kurz nach Mitternacht (europäische Zeit) auf der Webseite der ESO zu sehen sein.

        2. Juni 2005/SP

        ESA-Kometenjäger Rosetta gibt Schützenhilfe

        Da die Raumsonde Deep Impact nur mit zwei Instrumenten ausgestattet ist, die Fotos von den Folgen des Einschlags auf Tempel 1 liefern können, werden die wissenschaftlichen Beobachtungen des Ereignisses weitgehend von einem weltumspannenden Netz von Beobachtern auf der Erde geleistet. Auf Bitten der NASA soll auch die Rosetta-Muttersonde mit ihren Hightech-Bordinstrumenten Pionierarbeit für die wissenschaftliche Beobachtung und Auswertung der "Deep-Impact"-Mission leisten. Ab 28. Juni wird Rosetta daher den Kometen Tempel 1 beobachten. Und ab 1. Juli schickt Europas Kometensonde dann die gesammelten Daten und Bilder einmal pro Tag zur Erde herunter.
        Rosetta ist die erste Mission, die die Umrundung eines Kometen und die Landung auf ihm vorsieht. Das Ziel ist der Komet Tschurjumow-Gerasimenko, auf dem im Jahr 2014 nach zehnjährigem Flug, der Lander Philae abgesetzt werden soll.

        Wo befindet sich Tempel 1?

        Der Komet Tempel 1 wandert im Sternbild Jungfrau langsam Richtung Süden und hält sich derzeit in der Nähe von Jupiter auf. Der helle Planet Jupiter ist jetzt während der ersten Nachthälfte unübersehbar. Den Kometen kann man aber mit bloßem Auge nicht sehen, weil er zu schwach ist. Um ihn beobachten zu können benötigt man zumindest ein kleines Teleskop. Am 4. Juli ist Tempel 1 in der Nähe von Spica, dem hellsten Stern der Jungfrau, zu finden.



        Position von Tempel 1 am 4. Juli 2005, 21:13 MESZ, Wien (Bild zum vergrößern anklicken)

        Die aktuelle Position von Tempel 1 finden Sie hier! JPL/NASA





        Künstlerische Darstellung von Tempel 1, basierend auf Spitzer und Hubble-Daten
        Bildquelle: NASA/JPL-Caltech

        Animation NASA/JPL-Caltech (4 MB)

        Live Webcasts am 4. Juli 2005:

        NASA-TV (Programm)
        Keck Observatory (Mauna Kea, Hawaii)
        Kitt Peak National Observatory (Arizona, near-live Internet video feed)
        Carl Sagan Observatory (Sonora, Mexiko)
        CSU Remote Telescope (Australien, erste Live-Bilder ungefähr 2 Stunden nach dem Einschlag)

        Deep Impact via Satellit:

        ESA-TV (Programm)


        Links:

        Deep Impact JPL/NASA
        Fact Sheet - Der erste Blick in das Innere eines Kometen JPL/NASA (Deutsch)
        Deep Impact NASA
        Deep Impact at ESO
        Deep Impact ESA
        Mit Deep Impact in das Herz eines Kometen – Europa ist dabei (ESA, Deutsch)
        Rosetta
        Ephemeriden ESO



        Aktualisiert am 8. Juli 2005



        auch IM BRENNPUNKT

        BRENNPUNKT - Archiv



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