Die Kuffner-Sternwarte in der Zwischenkriegszeit
Zwar gab es Ansätze seitens der Universitätssternwarte und der Akademie
der Wissenschaften, die Sternwarte quasi als Ergänzung zur
Universitätssternwarte zu adaptieren und vor allem Studenten zugänglich
zu machen, doch die ungünstige Zeit der Weltwirtschaftskrise und die unsichere
politische Situation der Zwischenkriegszeit machten alle Versuche zur Revitalisierung
der Kuffner-Sternwarte zunichte.
Der aufkommende Nationalsozialismus sollte schließlich alle Anstrengungen,
die Kuffner-Sternwarte wieder in Betrieb zu nehmen, vorerst einmal beenden. Es grenzt
heute an ein Wunder, daß die Kuffner-Sternwarte den Zweiten Weltkrieg nahezu
unversehrt überstanden hat, obwohl keines der wertvollen Instrumente in Sicherheit
gebracht wurde!
So konnten 1946 erste Instandsetzungsarbeiten beginnen; erklärtes Ziel war, die
Kuffner-Sternwarte der Öffentlichkeit als Volkssternwarte zugänglich zu
machen.
Die Kuffner-Sternwarte als Volkssternwarte

Walter Jaschek (1912-1980)
Leiter der Kuffner Sternwarte in der Nachkriegszeit bis 1980
Am 21. März 1947 fand die erste Führung auf der neuen Wiener
Volkssternwarte statt. Betreiber der Sternwarte war die Volkshochschule Alsergrund
(später Wien-Nordwest), die die Leitung der Sternwarte übernahm
.
Die Sternwarte selbst befand sich ab 1950 wieder im Besitz der 1938 in die Schweiz
emigrierten Familie Kuffner. 1951 verkaufte die Familie die Liegenschaft an die
gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Heim. Die Instrumente
gingen 1964 durch Schenkung an die Universitätssternwarte und 1968 an die
Volkshochschule Alsergrund.
Mit dem Verkauf der Sternwarte an die Siedlungsgenossenschaft Heim begann für
die Kuffner-Sternwarte eine bange Zeit; konnte man über die Zweckentfremdung
weiter Teile der Sternwarte (etwa als Lagerräume für Baumaterial) noch
einigermaßen hinwegsehen, schwebte über allem der drohende Abbruch, denn
die Kuffner-Sternwarte sollte einem Wohnblock weichen! Zudem kam noch, daß
die Kuffner-Sternwarte, die sich bis Mitte der 50er-Jahre doch einigermaßen
an Beliebtheit erfreute, mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Mitte der 70er-Jahre
konnten selten mehr als 500 Besucher jährlich gezählt werden!
1980 verstarb Walter Jaschek und hinterließ mit der Kuffner-Sternwarte ein
Lebenswerk. Seine Nachfolge als Leiter trat Univ.Doz. Dr. W. W. Weiss an, doch sollte
seine Amtszeit nicht lange währen. 1982 mußte die Wiener Volksbildung den
Betrieb der Kuffner-Sternwarte als Volkssternwarte aus Rentabilitätsgründen
einstellen - die Miete an die Siedlungsgenossenschaft Heim verschlang weit mehr,
als die wenigen Besucher an Eintritt bezahlten.
Wäre die Sternwarte 1977 nicht unter Denkmalschutz gestellt worden, würde
sie heute wahrscheinlich nicht mehr bestehen. Immerhin existierten bereits Pläne
für drei Wohnblocks auf dem Sternwartengelände. Diese konnten zwar nicht mehr
realisiert werden, doch der Kuffner-Sternwarte, die zwar nicht mehr abgerissen
werden konnte, aber auch keinen Betreiber mehr hatte, drohte der langsame,
unaufhaltsame Verfall.
Die ersten 30 Jahre - die Kuffner-Sternwarte als
Forschungsstätte (1884-1917)
Ein neuer Aufbruch - die Kuffner-Sternwarte ab 1982
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