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Im Herbst 1883 erfolgten die ersten Vorbesprechungen zwischen Moriz v. Kuffner und Norbert Herz zum Bau einer Privatsternwarte und für deren Einrichtung. Als Bauplatz bot sich ein Teil der Kuffner´schen Gründe an, die sich westlich des Ottakringer Friedhofs erstreckten, am Osthang des Gallitzinberges. Somit lag dieses Grundstück damals fern der Stadt. Kuffner und Herz hatten sich zum Ziel gesetzt, eine für die damalige Zeit modernst ausgestattete Forschungssternwarte zu errichten. Die Tatsache, daß wenige Jahre zuvor und nur wenige Kilometer entfernt mit der Universitätssternwarte in Währing die damals größte Sternwarte der Welt errichtet worden war, berührte sie dabei nur wenig. Kuffner sparte nicht bei der Ausstattung der Sternwarte; die vier Hauptinstrumente
Kuffner hatte die Instrumente bei Repsold & Söhne in Hamburg (Feinmechanik)
und bei Steinheil in München (Optik) in Auftrag gegeben; beide Unternehmungen
gehören zu den Vorläufern der großen deutschen optischen Werke wie
Carl Zeiss Jena oder Leitz Wetzlar.
ForschungstätigkeitDie Forschungstätigkeit der Kuffner- Sternwarte hatte ihren Schwerpunkt in der Vermessung des Sternenhimmels (Sternpositionen, Zeitbestimmungen, Entfernungsmessungen). Doch auch die Ende des 19. Jahrhunderts aufkommende Astrophysik, die sich nicht mit der Vermessung, sondern mit der Erforschung der Natur der Gestirne befaßt, fand in der Instrumentierung und in den Veröffentlichungen der Sternwarte bereits ihren Niederschlag.Mitte des 19. Jahrhunderts wurde von der "Astronomischen Gesellschaft" auf breiter internationaler Basis ein sehr bedeutsames Unternehmen auf die Beine gestellt. Sternwarten in nahezu allen Kontinenten sollten in einer vereinten Anstrengung die Positionen aller Sterne bis zur 9. Größe mit Meridiankreisen möglichst genau bestimmen. Der zweite Teil dieses AG-Zonenunternehmens war für Sterne mit einer südlichen Deklination von -2° bis -23° ausgelegt. Die vier Sternwarten in Straßburg, Wien-Ottakring, Cambridge und Washington teilten sich diesen Deklinationsstreifen auf. Das Himmelsareal von -6° bis -10° entfiel dabei auf die Kuffner-Sternwarte (8.468 Sterne). Diese Zone war die erste südliche, die fertiggestellt war (publiziert 1904), erst 1912 lag die letzte Zone vor (Cambridge). Neben den jeweiligen Direktoren waren u.a. Samuel Oppenheim, Dr. Paul Eberhard und Dr. Johannes Hartmann an Beobachtungen und Auswertungen beteiligt. Leo de Ball zog es bemerkenswerterweise vor, die Zone Wien-Ottakring ab 1892 völlig neu zu vermessen. Die neuen Beobachtungen ergaben einen wesentlich kleineren Fehler für eine Einzelbeobachtung (± 0,54" in a, ± 0,49" in d).
1896 begann Leo de Ball mit Untersuchungen am Heliometer über die Fehler
der Skalenteilung, den Fokus und die Temperaturabhängigkeit, die es ihm
schließlich 1899 erlaubten, mit den eigentlichen Beobachtungen am
Parallaxenprogramm zu beginnen.
Karl Schwarzschild führte intensive
fotografische Arbeiten am Großen Refraktor durch, im Verlauf derer er
eine Methode entwickelte, aus fotografischen Aufnahmen der Sterne deren
Helligkeit zu ermitteln (fotografische Photometrie).
Mit dem Tod Leo de Balls im Jahr 1916 und dem durch den 1. Weltkrieg
entstandenen Geld- und Personalmangel endete die erste Schaffensperiode
der Kuffner-Sternwarte genauso spontan, wie sie begonnen hatte. Die in diesen
30 Jahren herausgegebenen Publikationen der Kuffner-Sternwarte haben noch heute
ihren Platz in den Bibliotheken anderer Institute.
Ein neuer Aufbruch - die Kuffner-Sternwarte ab 1982 [ Geschichte | Gebäude | Instrumente ] |
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