Tatsächliche Einflüsse des Mondes


        Viele Menschen sind der festen Überzeugung, der Mond wirke je nach Phase in ganz bestimmter Art auf den Menschen. Dieser sehr alte Aberglaube hat sich bis heute gehalten. Die Frage auf welche Weise der Mond seine behauptete Wirkung überhaupt entfalten soll, blieb aber immer noch unbeantwortet. Das Licht als "Träger" kommt nicht in Betracht, da ja in diesem Falle dann, zu Zeiten des Neumondes keine vom Mond ausgehende Wirkung angenommen werden könnte. Auch die Schwerkraft des Mondes scheidet als Ursache aus. Denn abgesehen von der Schwerkraft der Erde, "wirkt" im Vergleich, die Schwerkkraft vieler Hausmauern stärker auf uns ein, als die des Mondes.
        Als Argument, dass für die behaupteten "Mondkräfte" sprechen soll, werden aber trotzdem immer wieder die Gezeiten genannt.

        Dabei ist aber zu bedenken, dass die Gezeiten sich nicht so verhalten wie die behaupteten Einflüsse durch Mondphasen. So sind

        1. Ebbe und Flut in der Nähe von Vollmond und Neumond maximal, nicht etwa von voller Stärke bei Vollmond und sehr gering bei Neumond,
        2. sehr unterschiedliche Phasen (Vollmond, Neumond) führen zu sehr ähnlichen Gezeitenphänomenen,
        3. kommen Ebbe und Flut täglich,
        4. treten die stärkste Ebbe und die höchste Flut ein paar Tage nach Neumond bzw. Vollmond auf,
        5. schwanken die Gezeitenphänomene wegen des Sonnen-Beitrags jahreszeitlich mit dem Abstand und der Richtung Erde-Sonne,
        6. verändern sich die Gezeiten auch mit dem Abstand des Mondes, ohne feste Beziehung zu den Mondphasen,
        7. ein Drittel der Gezeiteneffekte stammt von der Sonne, zwei Drittel vom Mond. Diese Effekte wirken immer. Nur ihre Kombination hängt mit den Mondphasen zusammen. Der Mondeffekt ist also immer da und man könnte genauso sagen, dass die maximalen Gezeiten zu Neumond ein Effekt der Sonne sind da der dominiernde Mond-Anteil immer da ist.

        Kleine Ursachen große Wirkung

        Warum werden die Gezeiten an den Ozeanen so auffällig aber im Mittelmeer schon geringer und in Binnenseen praktisch unmerklich? Die Ursache dafür ist dass die winzigen Gezeitenkräfte des Mondes auf die grossen Wassermassen eines Ozeans gleichmäßig und andauernd wirken und die Ozeane frei diesen kleinen Kräften folgen können. So gelingt es eine unmerkliche Kraft über tausende Kilometer zu akkumulieren und eine Bewegung zu erzeugen die merkbar wird wenn sie auf die Küsten trifft.

        Auf einem Binnensee wird diese kleine regelmässige Bewegung zerstört bevor sie zu merkbarer Größe anwachsen kann. Das geschieht durch andere Kräfte, wie Wind, Strömungen, Boote, Fische, etc. die alle die Gezeiten dominieren. Ein 30km Binnensee zeigt alles andere außer den Gezeiten. Noch kleinere Systeme sind noch weniger geeignet auf die Gezeiten zu reagieren weil die konkurierenden Effekte dominieren.

        Auch auf den Ozeanen dominiert oft die Windkraft, aber sie wirkt in der Regel in wechselnde Richtungen. Wenn Sie aber einmal über längere Zeit in die selbe Richtung wirkt kommt es zu den gefürchteten Sturmfluten.

        Wie kleine Ursachen zu merkbaren Wirkungen führen können ist vielleicht anhand des steten Tropfens der den Stein hölt gut zu sehen. Nur wenn der Stein fest liegt und der Tropfen auf die selbe Stelle fällt entsteht das Loch. Würde der Stein auch von anderen Kräften als jener des aufprallenden Tropfens gestört, würde er etwa jeden Tag auch nur einen Millimeter verrutschen, wäre er nicht auszuhöhlen.

        Entstehung der Gezeiten auf der Erde

        Die Gezeiten entstehen durch die Wirkung der Gravitationskräfte des Mondes und der Sonne auf die Erde. Da jedoch die Distanz zwischen Erde und Mond viel geringer ist als zwischen Erde und Sonne, sind die gezeitenerzeugenden Kräfte des Mondes, obwohl er erheblich kleiner ist, mehr als doppelt so stark wie die der Sonne. Der Mond kreist in etwa 29,5 Tagen einmal um die Erde, die selbst wiederum um die Sonne kreist. Da die Entfernungen vom Mond zu Punkten auf der Erde von Ort zu Ort verschieden sind, ist die Gravitationskraft des Mondes nicht überall gleich stark. Die gezeitenerzeugenden Kräfte sind Differenzen zwischen Zentrifugalkraft und Schwerkraft die beide auf den bewegten Erdkörper wirken. Die Bewegung der Erde ergibt sich aus der Ballance dieser Kräfte, die für den Erdkörper im Mittel (Schwerpunkt) ausgeglichen sind. Verglichen mit der Zentrifugalkraft besteht aber ein geringer Überschuss an Gravitationskraft auf der dem Mond zugewandten Seite der Erde und ein ebenso großer geringer Fehlbetrag auf der abgewandten Seite. Diese Differenzen erzeugen jeweils einen Wasserberg auf der dem Mond zugewandten und abgewandten Seite der Erde. Zwischen zwei Hochwassern liegen etwa 12 Stunden und 25 Minuten.

        Auch die Sonne erzeugt Gezeiten. Da sie aber viel weiter von der Erde entfernt ist als der Mond, ist ihre gezeitenerzeugende Kraft nur etwa halb so groß wie die des Mondes, und die entsprechenden Wasserberge sind weniger stark ausgeprägt. Die Gezeiten werden also im wesentlichen vom Mond bestimmt. Die Sonne verstärkt und verringert jedoch die Wirkung des Mondes auf die Gezeiten. Die von Sonne und Mond erzeugten Gezeitenhöhen müssen addiert werden, um die tatsächliche Höhe der Gezeit zu erhalten.

        Wenn Sonne, Erde und Mond auf einer Geraden liegen, d.h. bei Neumond und bei Vollmond, wirken Mond und Sonne gleichsinnig und erzeugen besonders starke Gezeiten (Springtiden) deren Maximum etwa zwei Tage nach den Extremphasen des Mondes liegt.

        Etwa 7 Tage nach dem auf Vollmond oder Neumond folgenden Gezeitenmaximum, bilden Sonne, Erde und Mond einen rechten Winkel. Die Wirkung der Sonne ist der des Mondes jetzt entgegengesetzt. Und die resultierende Gezeit ist nun deutlich geringer. Sie tritt bei Halbmond auf und wird Nipptide genannt. Der Unterschied zwischen Hochwasser und Niedrigwasser ist hier kleiner als zur Springzeit.

        Die Ausbildung der Gezeiten hängt aber nicht nur von der wechselnden Stellung des Mondes und der Sonne zur Erde ab, sondern auch von der sehr unregelmäßigen Gestalt der Meeresbecken. Die Vorausberechnung der Gezeiten ist eine komplizierte Angelegenheit. Wie sich die Gezeitenschwingungen ausbilden, hängt sehr von der Gestalt und der Tiefe der Ozeane ab. Die Gezeiten kleinerer Meere, wie z.B. der Nordsee, werden fast ausschließlich durch das Mitschwingen mit den angrenzenden Ozeanen und nur zu einem sehr geringen Teil durch die unmittelbare Einwirkung der gezeitenerzeugenden Kräfte verursacht.

        Klaudia Einhorn,
        Günther Wuchterl, Jänner 2003

        Links:
        Mondphasen - Studien widerlegen behauptete Mondeinflüsse
        Mondphasen-Animation (Chris Dolan)
        Gezeiten-Animation (James Irwin)



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